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Donnerstag, 28.08.2008

Die ersten Wochen...

... nach den Ferien sind bei mir immer davon geprägt, die Kinder zurück zu holen - nicht in die Schule, sondern in Strukturen. 6 Wochen grenzenloses Vergnügen, im wahrsten Sinne des Wortes. Da heisst es dann: "Herzlich Willkommen zurück - auch in diesem Schuljahr gelten hier die allgemeinen Regeln des Zusammenlebens!" Bei manchen dauert es schon eine Weile, sie wieder an Rhythmen und Strukturen zu gewöhnen.

Da ich als Soz.päd. nur über das "Norm-Ferientage-Kontingent" verfüge, beginnt mein Alltag immer schon zwei Wochen vor denen der Lehrer - mit dem Ferienprogramm, dass wahrlich meine verhassteste Zeit im Jahr ist. Ich eigne mich einfach nicht zur Quoten-Bespasserin...

Jetzt entpuppen sich die süßen kleinen neu-Ankömmlinge so langsam - die meist ganz anders angekündigt werden, als sie sich dann in natura präsentieren. Massive Ängste, Auffälligkeiten, Verwahrlosungen - ich verdiene mir mein Gehalt auf jeden Fall.

Die Abgänger des letzten Jahres schauen nach und nach rein - manche schon mehrfach. Heimweh....

Mittwoch, 11.06.2008

Abschiede...

Heute Nachmittag war es wieder mal soweit - die jährliche Entlassfeier unserer Schule.

Manche der Kids kann ich wunderbar ziehen lassen, freue mich sogar über ihren Weggang, weil sie tägliches Nervensägen-Massaker bedeuteten...

Andere kann ich gut gehen lassen, da ich weiß, dass sie ihren Weg gehen werden - gut gehen werden.

Und dann gibt es die Kids, die man jahrelang intensiv begleitet hat, die soviel zu tragen haben, dass sie ab und zu mal was abgeben müssen. Mit denen man aber auch heftige Konflikte haben konnte - und lange, lange intensive Gespräche. Eine tiefe Beziehung eben...

Genau so ein junger Mann konnte sich heute so gar nicht losreißen, war als letzter, nachdem schon aufgeräumt war, immer noch da - gepierct an allen Ecken und Kanten, cool wie ein Eiswürfel, der totale Punk.

Trat vor mich, schmiss sich in meine Arme, fing an zu weinen, murmelte immer nur: "Ich werde sie vermissen, ich komm wieder, ganz bestimmt komm ich wieder..." Riss sich dann los und ging ohne einen weiteren Blick vom Hof, mit langen staksigen Beinen - immer irgendwie noch der kleine Junge, den ich vor 5 Jahren kennen gelernt habe.

Mein Hausmeister hat mich nur angeguckt und mir ein Tempo gereicht....

Sag mal *piep* zu mir....

Es ist eigentlich unfassbar - aber tatsächlich passiert....

Eine Lehrerin, langjährige Mutter, noch gut unter 40 - aber mit Religion als Lebens- und Lieblingsfach, hat sich heute krank gemeldet.

Die Begründung lautete:

Ein Schüler erwähnte im religiösen Diskurs das Wort Penis!

Ja, genau - das Wort Penis! Nicht irgendwelche fiesen Synonyme, die hier nicht ausgeschrieben werden sollen, meine Kids aber normalerweise eher aus dem Effeff beherrschen - nein, das volkommen korrekte Wort für das männliche Geschlechtsteil...

Durch dieses Wort wurde die Lehrerin laut eigener Aussage bis in ihre Grundfesten erschüttert und sah sich selber außer Stande, an diesem Tag weiter zu unterrichten.

Sag doch bitte vor der nächsten Konferenz jemand Penis zu mir!

Montag, 19.05.2008

Sommerzeit – Diätenzeit Teil 5

Das Highlight schlechthin, meine absolute Nummer Eins unter den vergeblichen Diätversuchen war der Kurs „Meditatives Abnehmen“. Man fand sich in illustrer Runde in einer kleinen, nach Schweiß stinkenden Turnhalle ein – zwanzig Frauen, die sich in prall gefüllten Leggins auf alten Matten in den vollen Lotus zwangen und unglaublich entspannt ein langgezogenes „OOOHHHMMM“ von sich gaben. Die Kursleiterin – das deutsche Pendant zu Cindy Crawford – versuchte auch direkt, uns unterschwellige Botschaften zu vermitteln: „Eine Gurke hat null Kalorien, zwei Gurken haben null Kalorien, drei Gurken, ...“ Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch, also keine falsche Scham! Die Schnarchrate stieg dementsprechend nach ungefähr zehn Minuten sprunghaft an. Zumindest war das Rechenbeispiel auch für Hohlkörper auf zwei Beinen geeignet. Bis zum Ende des Kurses waren wir bei „Eine Tasse Kaffee hat null Kalorien“ angelangt, was meinen Pfunden keinen Abbruch tat, da wir nach der Stunde den Kaffe immer durch ein Stück Torte in der Konditorei nebenan ergänzten. Auch der Fortgeschrittenenkurs brachte keinen Erfolg, denn die Basis-Aussage „Ein BicMac hat 597 Kalorien“ änderte nicht wirklich meinen Speiseplan, machte sie doch eher noch Lust auf mehr. Allerdings kann ich seit der Zeit spielend in jedem Restaurant das Essen der Nebenleute innerhalb von drei Sekunden auf den Kaloriengehalt hin berechnen. Immer wieder ein Spaß für die ganze Familie!

 

Nein, nein, auch dieses Jahr wird man mich nicht in Mini-Rock und bauchfreiem Top antreffen, ich habe mir geschworen, mich nicht mehr als Versuchskaninchen mißbrauchen zu lassen. Obwohl – habt ihr schon mal von der Sauerkraut-Diät gehört ? ...

Sonntag, 18.05.2008

Sommerzeit – Diätenzeit Teil 4

Platz zwei geht schon eher ans Eingemachte. Akkupunktur als „Heilmethode“ gegen Übergewicht“. H-E-I-L-M-E-T-H-O-D-E, ha! Als ob Übergewicht ansteckend wäre! Aber was tut man nicht alles. Also suchte ich mir einen Vertreter fernöstlicher Lehren, der sich auch sehr über meinen Anblick freute – schließlich war sein Leben mehrere Monate finanziell gesichert. Vor ihm lagen lange Nadeln, und wenn ich lang sage, dann meine ich das auch. Jeder mittelalterliche Folterknecht wäre vor Ehrfurcht erbleicht. Des Menschen Hungerpunkt befände sich im Ohrläppchen, so der Arzt. Mir schwante – nicht zu Unrecht – Übles, denn fünf Minuten später sah ich aus wie ein Pinselohrschwein. Auf meine Frage, wie ich denn die Therapie zwischen den Sitzungen unterstützen könne, reichte er mir einen Diät-Plan: Täglich waren fünf Stücke Obst erlaubt, dazu 50 Gramm Mett und eine Scheibe Vollkornbrot. Da braucht man keine Nadeln mehr zum Abnehmen! Und als ich die Rechnung in Händen hielt, wußte ich auch sofort, daß ich mir gar keine Nahrung mehr würde leisten können. Abnehmen leicht gemacht ...